
Die Untersuchungskommission zu Gewalt gegen Frauen in staatlichem Gewahrsam hat ihre seit 1995 andauernde Arbeit in einem Buch mit dem Titel „Das alles ist wahr“ zusammengefasst. Die Menschenrechtlerin und Rechtsanwältin Eren Keskin stellte das Buch, das aus Dokumenten, Fotos und Augenzeugenberichten zusammengestellt wurde, gestern in Istanbul vor.
Ihre Mandantinnen seien
regelmäßig und in systematischer Form sexuellen
Übergriffen und Vergewaltigungen ausgesetzt, so
erklärte die Rechtsanwältin. „Diese
systematische Folter wird von eben jenen „dynamischen
Kräften des Staates“ ausgeübt, von denen
Generalstabschef Yasar Büyükanit kürzlich in
den USA gesprochen hat.“ Immer noch bestehe aufgrund feudaler
Strukturen in der Gesellschaft sowie auch in politischen Organisationen
die Schwierigkeit für Opfer sexueller Gewalt, das Erlebte zu
schildern.
Die Anwendung von Folter
in der Türkei sei nicht beendet, sondern habe lediglich die
Form geändert, so Keskin. „Vorfälle dieser
Art sind systematische staatliche Politik. Zu diesem Punkt hinterfragen
wir nicht nur die Folterer, sondern auch Staatsanwälte, die
Folterer nicht zur Rechenschaft ziehen, Gerichtsmediziner, die Folter
nicht dokumentieren, sowie Gerichte, die Folterverfahren
verjähren lassen. All diese sind Teil des Systems.“
Weiter führte
Keskin aus, dass im alten türkischen Strafgesetzbuch der
Begriff des sexuellen Übergriffs nicht vorkam und
Vergewaltigung nicht ausreichend definiert worden sei. Als Ergebnis
eines langen Kampfes habe es positive Gesetzesänderungen
gegeben, allerdings habe sich die Denkweise nicht geändert.
„Solange die Denkweise sich nicht ändert, kann es
auch keine wirkliche Veränderung geben.“
Quelle:
DIHA, 15.02.2007, ISKU