
Der DTP-Provinzvorsitzende aus Diyarbakir Hilmi Aydogdu ist wegen „Volksaufstachelung“ verhaftet worden. Als Begründung wurde ein Satz aus einer Erklärung Aydogdus herangezogen: „Wir betrachten einen Angriff auf Kerkuk wie einen Angriff auf Diyarbakir“.
Aydogdu wurde auf einer Konferenz der Anwaltskammer Diyarbakir unter
dem Titel „Konfrontation mit der Vergangenheit für
Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden“ morgens festgenommen,
staatsanwaltschaftlich verhört, vom Haftrichter verhaftet und
ins D-Typ-Gefängnis von Diyarbakir überstellt.
Der als Haftgrund herangezogene Satz war Teil einer Stellungnahme des
Provinzvorsitzenden, in der er erklärte: „Wir
betrachten die gegen Kerkuk geplanten Interventionen als
höchstgradig unvernünftig, unlogisch und
unwissenschaftlich, als Produkt einer Logik, die die historische
Realität verkennt und komplett ablehnt. Für die
Kurden ist es sehr wichtig, dass ein Kurde Staatspräsident
ist. Dieser Fakt hat historische Bedeutung und spielt eine wichtige
Rolle in der Entwicklung von kurdischem Bewusstsein und Demokratie
sowie der gleichberechtigten Darstellung des kurdischen Volkes als
eines der Völker des Mittleren Ostens. Ein Angriff auf Kerkuk
ist wie ein Angriff auf Diyarbakir und umgekehrt.“
Gegen die Verhaftung Aydogdus protestierten spontan 500 Personen vor
dem Gerichtsgebäude. Osman Baydemir,
Oberbürgermeister von Diyarbakir, verurteilte den Haftbefehl
gegen Aydogdu. Seine gegenüber der Presse
geäußerte Erklärung sei aus dem
Zusammenhang gerissen und verdreht worden. Er sei nicht das erste Opfer
im Zusammenhang mit der Meinungsfreiheit und es sei leider davon
auszugehen, dass er auch nicht das letzte sein werde: „Es
kann wohl kaum etwas natürlicheres geben, als dass der
Provinzvorsitzende einer politischen Partei die Außenpolitik
der Regierung kritisiert.“
DTP-Provinzvorsitzender
von Van ebenfalls verhaftet
Der DTP-Provinzvorsitzende von Van, Ibrahim Sunkur, sowie Abdulvahap
Turhan, Mitglied der DTP-Jugend, sind ebenfalls am Donnerstag als
„mutmaßliche Organisationsmitglieder“
verhaftet worden. Die beiden waren bei einer Razzia im
DTP-Gebäude in Van am 18. Februar mit 18 weiteren Personen
festgenommen worden und wurden nach Haftprüfungstermin ins
F-Typ-Gefängnis Van überstellt. Die DTP veranstaltete
eine Pressekonferenz im Parteigebäude in Van zu dem Thema, die
von IHD und Göc-Der unterstützt wurde. Als einer der
nach vier Tagen Freigelassenen erläuterte Edip Erdem von der
DTP-Jugend den Verlauf der Festnahme: „Die Razzia fand statt,
während eine Versammlung durchgeführt wurde. Wir
wurden gezwungen, uns auf den Boden zu legen. Sie traten und schlugen
uns stundenlang. Dann wurden wir festgenommen. Auf dort dauerte die
Misshandlung an. Sie schlugen und beleidigten uns, wir waren
ständiger Gewalt ausgesetzt. Ständig fragten sie nach
unserer Verbindung zur PKK und wendeten dabei Gewalt an.“
Quelle: ANF, 23.02.2007, ISKU