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Dossier IRAN

KNK

Interview mit Zübeyir Aydar, Präsident des Kongra Gel, zu den Plänen der Türkei,
Proposé par amedo le Vendredi, 25 Août 2006
löjl
makale

„Die Ursache des Problems als auch die Lösung liegen innerhalb der Türkei“

In den Medien der Türkei erschienen in den letzten Tagen Meldungen über Pläne, die PKK aus den Bergen zu holen. Wie bewerten Sie diese Entwicklungen?
Das in den türkischen Medien breit d tierte Thema beinhaltet keinen Versuch, die kurdische Frage zu lösen. Die PKK wird als ein Problem betrachtet, das beseitigt werden muss. Die Angelegenheit wird lediglich unter dem Gesichtspunkt betrachtet, wie der Einfluss der PKK zunichte gemacht werden kann. Es heißt, dass Gespräche mit den USA, dem Irak und den südkurdischen Kräften, vor allem der KDP und der PUK stattgefunden haben und ein Plan besteht, nach dem die Kräfte [der PKK] im Süden bis auf 400 - 500 Militante aus der Führungsebene in die Türkei geholt werden sollen. Was mit den 400 bis 500 Personen geschehen soll, ob sie im Irak bleiben sollen oder in ein anderes Land geschickt werden, davon ist nicht die Rede. Es wird von einem Land in Nordeuropa gesprochen. Das ist der Plan. Wenn er keine Anerkennung findet, soll stattdessen eine Militäroperation stattfinden. Das heißt vor allem, dass keine Lösung vorgesehen ist. Es geht nicht darum, auf aufrichtiger Basis nach einer Lösung zu suchen, sondern die PKK loszuwerden. Der Kopf soll sozusagen vom Körper getrennt werden, unser Vorsitzender im Gefängnis bleiben, die restliche Führungsebene sich selbst überlassen werden, der Körper ins Landesinnere [der Türkei] verbracht werden und die kurdische Frage der Geschichte überlassen werden. Das wird im Moment d tiert. Angestrebt wird damit die Vernichtung unserer Bewegung. […] Das entspricht auch dem Vorgehen der Armee. Jeden Tag finden Militäroperationen statt. Über zwanzig Jahre hinweg ist es der Türkei nicht gelungen, die kurdische Bewegung auszuschalten, jetzt kommen sie mit einer neuen Methode. Das können wir nicht akzeptieren. Wir können keinen Plan und keine Lebensform bejahen, die außerhalb einer Lösung der kurdischen Frage liegt. Aber wir sind offen für jede D ssion und alle Vorschläge, die wirklich einer Lösung dienen.

Es heißt, dass der Vernichtungsplan das Einverständnis der südkurdischen Kräfte hat. Was sagen Sie dazu?

Es gibt die Information, dass mit Herrn Mesut Barzani und Herrn Celal Talabani gesprochen worden ist und es zu einem Konsens gekommen sei. Ich möchte nicht davon ausgehen, dass sie einem solchen Vernichtungsplan zugestimmt haben. Unsere Erwartungen sind andere, und wir haben darüber auch keine direkten Informationen. Wir erwarten von der Regierung Kurdistans im Süden […], dass sie zu einer Lösung des Problems über einen Dialog beitragen. […]

Was haben Sie der Türkei zu sagen? Was schlagen Sie für eine Methode, für eine Lösung vor?

Natürlich haben wir der Regierung der Türkei einiges mitzuteilen: „Ihr werdet nichts erreichen, wenn ihr mit anderen Kräften als mit uns Gespräche führt, viel redet und unsere Vernichtung plant. Kommt, setzt euch mit den eigentlichen Ansprechpartnern in dieser Frage hin und befreit euch von diesem Problem. Anders geht es nicht.“ In letzter Zeit sprechen der Ministerpräsident und andere Regierungsvertreter davon, dass ihre Geduld erschöpft sei. Dabei sind nicht sie es, deren Geduld strapaziert wird, sondern es gibt da ein Volk, dessen Geduldsfaden zu reißen droht, das kurdische Volk, dessen Existenz nicht einmal anerkannt wird.

Und dann spricht die Regierung noch davon, wie Israel eine grenzüberschreitende Operation durchzuführen. Das, was Israel im Libanon wegen der Hizbullah macht, wollen sie in ähnlicher Form in Südkurdistan durchführen. Aber die Problematik ähnelt in keiner Weise der im Falle von Hamas oder Hizbullah, und Südkurdistan ist nicht der Libanon. Das Problem besteht auch nicht in Südkurdistan, sondern innerhalb der Türkei. Die Türkei führt seit 23 Jahren grenzüberschreitende Operationen durch, und was hat sie damit erreicht? Hat es außer Blut, Tränen und Tod irgendein Resultat gegeben? Jetzt sprechen sie wieder über ähnliche Operationen, aber das ist etwas, das kein Ergebnis bringen kann. Wenn die Türkei das Problem im Inland löst, wird man sehen, dass es auf der anderen Seite der Grenze kein Problem mehr gibt. Mit grenzüberschreitenden Operationen kann keine Lösung gefunden werden, und sie können auch gar nicht erfolgreich verlaufen. Das wurde jahrelang gemacht, ohne dass es zu Erfolgen gekommen wäre. Künftige Operationen können höchstens einen Propagandazweck erfüllen, einhergehend mit weiterem Blutvergießen.Natürlich ist für alle KurdInnen zu diesem Thema Aufmerksamkeit geboten, denn es geht nicht nur um unsere Kräfte. Vielleicht sind wir das Ziel in der ersten Etappe, aber es darf nicht übersehen werden, dass die Türkei mit dem Iran und Syrien ein Anti-Kurden-Bündnis stellt, das gemeinsam gegen die kurdischen Interessen vorgeht. Das Ziel sind also nicht nur wir, sondern auch die ökonomischen Profite in Südkurdistan. An diesem Punkt müssen auch die Bevölkerung im Süden und ihre Regierung wach sein und entsprechend vorgehen. Wir erwarten von den Kurden in allen Teilen Kurdistans und außerhalb, Stellung gegen den Vernichtungsplan der Türkei zu beziehen und sich solidarisch mit uns zu verhalten.

Kann die kurdische Frage durch eine Bombardierung Kandils gelöst werden?

Bereits in der Vergangenheit sind Zele und Zaxo [Gebiete in Südkurdistan] bombardiert worden, aber auch damit wurde das Problem nicht gelöst, sondern vielmehr noch zementiert. Sie können Kandil solange bombardieren, wie sie wollen, sie werden damit zu keinem Ergebnis kommen, denn sowohl die Ursache des Problems als auch die Lösung liegen innerhalb der Türkei. Kandil ist ein Ort, der Wichtigkeit erlangt hat, eben weil es in der Türkei keine Lösung gegeben hat. Wenn das Problem gelöst wird, wird man sehen, dass Kandil kein Problem ist und sogar in eine Touristenattraktion verwandelt werden kann.

Es gibt Verlautbarungen, dass kurdische Institutionen [der PKK] in Südkurdistan verboten werden sollen. Was soll damit erreicht werden?

In den letzten Tagen sind in den Medien verschiedene Erklärungen und Informationen dazu erschienen. Es heißt, im Irak und in Südkurdistan sollen einige Einrichtungen und Wege geschlossen werden. Etwas Konkretes dazu hat uns bisher nicht erreicht. Wir haben im Irak und in Südkurdistan keine Institutionen. Natürlich gibt es Aktivitäten auf legaler Basis von Menschen, die mit uns sympathisieren. Im Rahmen der irakischen Gesetze sind Parteien, Gruppen, verschiedene Menschen tätig. Wenn gegen diese etwas unternommen wird, so ist das gesetzlos. Wir haben keine Organisierung, die sich gegen die irakischen Gesetze richtet und wir begreifen nicht, was damit bezweckt wird. Wenn im Irak oder in Südkurdistan irgendeine Einrichtung verboten wird, kann das auch uns und unseren Kampf nicht groß beeinflussen. Es wäre lediglich eine Handlung, die gegen die eigenen Gesetze verstößt.

Türkische und kurdische Intellektuelle haben gestern eine Deklaration veröffentlicht. Wie bewerten Sie diese?

Dieser Text wurde von 37 türkischen und kurdischen Intellektuellen verfasst. Ich achte ihre Meinung und begrüße ihre Initiative. Wir wünschen uns, dass solche Bemühungen intensiviert werden, die Anzahl der Unterschriften nicht auf 37 beschränkt bleibt und die Öffentlichkeit erreicht wird. Der Text ist inhaltlich etwas anders als der vorangegangener Erklärungen. Das Problem wird deutlich gemacht und eine Lösung gefordert. Bereits in der Vergangenheit haben Intellektuelle andere Deklarationen veröffentlicht. In einigen wurde suggeriert, dass unsere Bewegung die alleinige Verantwortung für die Gewalt trägt. Bei dieser Deklaration ist das nicht so, es wird eine Lösung gefordert. […]ÖP, 02.08.2006,

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