
Özgür Gündem, 07.09.2005 Über den Lynchversuch in Bozüyük, bei dem 144 Menschen verletzt wurden, sind neue Einzelheiten bekannt worden.
Wie die Anwältin Hanife Eren erklärte, hätten die Angreifer ausgesagt, sie hätten die aus Gemlik zurückkehrende Busse mit kurdischen Demonstranten gestoppt, nachdem sie von der Polizei die Information bekommen hätten, 500 PKK-Anhänger hätten die Kreisstadt besetzt und 80 Personen getötet.
Weiterhin erklärte Eren, nur die Busse mit den Demonstranten seien nach Bozüyük durchgelassen worden. Alle anderen Reisebusse seien umgeleitet worden.
Augenzeugen berichteten außerdem, dass sich der zuständige Polizeichef nach den Angriffen von einem Panzerfahrzeug aus über Megaphon bei den Angreifern bedankt habe.
Der CHP-Abgeordnete aus Diyarbakir, Mesut Deger, beschuldigte unterdessen die Sicherheitskräfte vor Ort, nichts unternommen zu haben, um die Angriffe zu verhindern. Deger hatte sich nach einem telefonischen Hilferuf aus einem der angegriffenen Busse auf den Weg in die Kreisstadt gemacht, war jedoch vom zuständigen Gouverneur aufgehalten worden, da seine kurdische Herkunft die Bevölkerung provozieren könne.
„Bozüyük ist ein schöner Ort“, erklärte Deger, „und die Menschen dort sind gute Menschen. Aber sie wurden aufgestachelt. Auf Initiative von Provokateuren wurden die Busse mit Steinen beworfen. Als ich um 23.30 Uhr ankam, war es den Sicherheitskräften immer noch nicht gelungen, die Bevölkerung zu beruhigen. Erst nach meiner Ankunft setzten sich die Sicherheitskräfte in Bewegung und sicherten die Busse. Auf meine Initiative hin bekamen die Verletzten eine medizinische Erstversorgung.“